Vera Sander
ALFONS – EINE GESCHICHTE FÜR KINDER

  • Choreographisches Zentrum NRW, Koproduktion im Rahmen des 8. Internationalen Tanzfestivals NRW ›Gesichter des Tanzes‹
  • Performance

Die Geschichte


Es ist eine rätselhafte Sache um die menschlichen Leidenschaften, und Kindern geht es nicht anders als Erwachsenen. Diejenigen, die davon befallen werden, können sie nicht erklären, und diejenigen, die nichts dergleichen je erlebt haben, können sie nicht begreifen. Es gibt Menschen, die setzen ihr Leben aufs Spiel, um einen Berggipfel zu bezwingen. Niemand, nicht einmal sie selbst, können wirklich erklären, warum. Andere opfern alles einer fixen Idee, die niemals Wirklichkeit werden kann. Einige glauben, nur dann glücklich sein zu können, wenn sie woanders wären und reisen ihr Leben lang durch die Welt. Kurzum, es gibt so viele verschiedene Leidenschaften, wie es verschiedene Menschen gibt.

Für meinen Helden ist die große Leidenschaft das Geschichtenerfinden. Wer nichts von alledem aus eigener Erfahrung kennt, der wird wahrscheinlich nicht begreifen können, was mein Held tut: Er erfindet eine Geschichte, die niemals zu Ende geht, zunächst, weil sie sich immer wiederholt, so lange, bis mein Held selbst in die Geschichte eintritt, und später, weil sich mein Held in der Welt der Phantasie selbst zu verlieren droht. Eine Geschichte voller Vorstellungen, Entdeckungen, Erfindungen, mit dem Motto ›Tu, was Du willst!‹

Was der Satz wirklich meint, entdeckt mein Held erst nach langem Suchen. ›Tu, wozu Du Lust hast‹ – so kann er den Satz nämlich auch auslegen, und er wird mehr und mehr in den Sog ungezügelter, vergessenmachender Phantasien gezogen.
›Tu, was Du wirklich willst!‹ das ist schwierig und bedarf häufig der Unterstützung eines Freundes.

Sollte mein Held sich in grenzenloser Phantasie verirren? Mit jedem neuen Wunsch schafft er nämlich nicht nur eine neue Wendung in der Geschichte, sondern verliert auch einen Teil von sich selbst.

Es gibt Menschen, die können sowieso nie in die Welt der Phantasie kommen, und es gibt Menschen, die können es, aber kehren niemals zurück.
Und dann gibt es noch einige, die gehen dorthin und kehren zurück.
Ob mein Held zurückkehren kann, hängt vom Verlauf der Geschichte ab, ob ihm geholfen werden kann, sein Ziel wiederzufinden: zurückzukehren in die Wirklichkeit, um mitzuteilen, daß die Welt der Phantasie nie aufhören darf zu existieren.

Seit langem habe ich den Wunsch, eine Produktion für Kinder zu gestalten. Ich halte es für äußerst wichtig, Kindern Stücke zu widmen. Kinder verstehen Tanz sehr direkt und natürlich. Für Kinder zu arbeiten, ist immer eine besondere Herausforderung für Choreograph und Darsteller.

Die Geschichte, die ich mir überlegt habe, beinhaltet eine Wendung in dem Stück, die durch die Kinder ausgelöst werden kann. Kinder sind ein neugieriges, interessiertes und sehr aktives Publikum. Das möchte ich bewahren und unterstützen.

Choreographie: Vera Sander
Tänzer: Carlotta Bolognese, Gaiia Gonnelli, Sanna Myllylpalti, Jorgé Vasquez, Tom Kappler
Assistenz: Peter van der Loght
Bühne und Kostüme: Ben Voorhaar

Eine Produktion des Choreographischen Zentrums NRW, Essen, mit Unterstützung des Ministeriums für Stadtentwicklung, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen und der Stadt Köln.

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