Journal
Insights, Perspektiven,
Aktionen & Impulse

ESSENS ENDE

»Wat suchste?« Ein Mann in einem verwaschenen Metal-T-Shirt schaut mir über die Schulter. Er blickt in den Stadtplan, den ich aufgefaltet habe. Ich habe ihn nicht bemerkt, er muss vom Kiosk rübergekommen sein. »Entschuldige, ich bin betrunken. Aber wenn du Hilfe brauchst – ich kenn mich hier aus.

TIERWESEN

Auf dem Rasen im Kaiser-Wilhelm-Park kniet ein junger Mann mit zerzaustem, rotbraunem Haar. Er sieht sich um, wie um sicherzugehen, dass ihn niemand beobachtet. Fast rutsche ich in den Teich, weil ich mich im Schilf verstecke. Es besteht kein Zweifel, dass er es ist: Newt Scamander.

ÜBER DEN ÄQUATOR

Wir stehen auf dem Parkplatz. Mit einem neongelben Stift zieht Beni eine Linie quer durch die Stadt. Als große Karte hat er sie ins Schaufenster der WerkStadt gehängt. Das ist Teil der kleinen Umfrage, die er zum Leben in Katernberg macht. Es dauert keine Minute, dann stellen sich zwei Nachbarn zu uns. 

Gabriele Gramelsberger: Auf dem Weg zum Wetware-Computing

DNA gilt als natürlicher Informationsspeicher und Zellen werden als lebendige Programme interpretiert, die seit Jahrhunderten erfolgreich Codes replizieren. Sowohl DNA als auch Zellen werden zunehmend für das Wetware-Computing genutzt — Computer aus organischem Material. Die sich abzeichnende Entwicklung tritt dabei nicht an, um herkömmliche Computer zu ersetzen, sondern um lebendige Computer im Inneren von Tieren und Menschen zu entwickeln, die beispielsweise Krankheiten und toxische Bedrohungen erkennen.

Emilia Sanabria & Kaushik Sunder Rajan

In Laboren extrahieren, isolieren und modifizieren Wissenschaftler*innen diese fluiden Stoffe. Doch entfalten sie ihre spätere Wirkung nicht in kontrollierten Laboreinrichtungen, sondern vielmehr in lebendigen Körpern, bevor sie zurück in die Umwelt gelangen. In ihrem Vortrag argumentiert Emilia Sanabria, dass Medikamentenkonsum gemeinsam mit dem Strom von Substanzen in die Umwelt und durch menschliche und tierische Körper — die eben nicht mit der Hautoberfläche enden — gedacht werden muss. Kaushik Sunder Rajan ist Professor für Anthropologie und stellvertretender Leiter des Chicago Center for Contemporary Theory an der University of Chicago. Seine aktuelle Forschung umfasst die globalen Verflechtungen und Veränderungen in den Biotech- und Pharmaindustrien, die er mit dem Begriff ›Biokapital‹ beschreibt.

Luiza Prado de O. Martins: Eine Topografie der Exzesse

Luiza Prado de O. Martins beschäftigt sich in ihrem aktuellen künstlerischen Forschungsprojekt mit technischen Methoden zur Geburtenkontrolle und setzt diese in Relation zu kolonialen Prozessen der Konstruktion und Produktion von Rasse, Gender und Sexualität. Sie hinterfragt, inwiefern die Exzesse, die marginalisierten gesellschaftlichen Gruppen durch eurozentrische Vorstellungen von Körper, Wissen, Sexualität und Subjektivität zugeschrieben werden, grundsätzlich mit kolonialen Gewalttaten verbunden sind.

Heather Dewey-Hagborg: Artist Talk

Die transdisziplinäre Künstlerin und Vermittlerin Heather Dewey-Hagborg zeichnet sich durch eine kritische und forschungsorientierte Praxis aus, die mitunter Methoden des Biohacking implementiert. Internationale Aufmerksamkeit wurde ihr für das biopolitische Kunstprojekt ›Stranger Visions‹ (2012—14) zuteil, bei dem es sich um eine Serie von Porträtskulpturen handelt, die aus der Analyse der DNA weggeworfener Gegenstände wie Haaren, Zigaretten und Kaugummis erstellt wurden.

Senthuran Varatharajah: Ecotopia

Im Mai 2019 entwickelte der Autor Senthuran Varatharajah für die Burg Hülshoff gemeinsam mit der Rock-Band RÁN, und dem Architekten und Szenografen Alper Kazokoglu die Arbeit ›Ecotopia‹. Sie ist Installation, Text-Performance und Musik-Show zugleich. Varatharajah hat sich dafür mit den historischen Wurzeln der Ökologie und ihrer Verbindung zum Kolonialismus auseinandergesetzt.

Jens Hauser, Aliens in Green & Špela Petrič : Mikroperformativität und Biomedialität

Der jüngst geprägte Begriff Mikroper­formativität betont die Notwendigkeit, gegenwärtig nicht-menschlichen (biologischen und technischen) Akteur*innen zunehmend Aufmerksamkeit beizumessen. Er stellt die mesoskopische Tradition in Frage, in der unsere phänomenologischen Überlegungen immer noch verwurzelt sind.