Journal
Insights, Perspektiven,
Aktionen & Impulse

Michiel Vandevelde: ›Ends of Worlds‹

In seiner Arbeit ›Ends of Worlds‹, die Vandevelde im Mai bei PACT gezeigt hätte, blickt der Choreograph in eine ferne und doch unangenehm nahe Zukunft. Für #PACTconnected interpretiert und verdichtet der Choreograph den Epilog der Performance als Videobeitrag. ›Ends of Worlds‹ ereignet sich im Jahr 2300. Der organische Mensch ist Vergangenheit. Das Datum markiert das Jahr Null einer neuen Art Homo Sapiens, die sich aus den algorithmischen Erinnerungen und Mustern der Vergangenheit hervorbildet. In seinem Tanz vergegenwärtigen sich die Bruchstücke, die die Vergangenheit überdauerten – Momente historischer Katastrophen, kollektive Traumata ebenso wie das Erbe von Choreograph*innen wie Anna Halprin.

Boglárka Börcsök: ›The Art of Movement‹

›THE ART OF MOVEMENT‹ portraitiert auf sinnliche und eindringliche Weise drei Tänzerinnen aus Budapest: Irén, Éva and Ágnes sind zwischen 90 und 100 Jahren alt und waren einst Teil der frühen Bewegung des zeitgenössischen Tanzes in Ungarn. Für ihren Film begab sich Boglárka Börcsök in die Rolle einer Tanzstudentin und zeichnet anhand ihrer Dialoge mit den drei Tänzerinnen nach, wie jede von ihnen ihr Leben und ihre Bewegungspraktiken transformierte, um die bedeutsamen sozio-politischen Veränderungen des letzten Jahrhunderts zu überleben.

Flora Détraz: Über ›Muyte Maker‹

In ihrem Videobeitrag ermöglicht Flora Détraz einen intimen Einblick auf den Arbeitsprozess zu ihrer Performance ›Muyter Maker‹: sie zeigt ihre Einflüsse und Skizzen, die Entwürfe für Choreographie und Gesang, ebenso wie kunsthistorische Vorbilder der eindrucksvollen Szenerie, in die sie ›Muyte Maker‹ setzt. 

Alexandra Bachzetsis: Chasing a Ghost

›Chasing a Ghost‹, die neue Arbeit, der Künstlerin und Choreographin Alexandra Bachzetsis stellt dabei den den choreographischen Archetyp des Duetts in Frage und inszeniert Verdopplungen und Doppelgänger aus Körpern, Sounds, Räumen und Bildern in einem Spektrum aus Gewalt und Begierde. Die Performance hätte am 03. April seine deutsche Premiere bei PACT gefeiert – nun hat die Künstlerin einen Kurzfilm zusammengestellt, der Aufnahmen der Premiere von ›Chasing a Ghost‹ im Art Institute of Chicago zusammenführt.

Falling Into Place - A note by Tim Etchells

This project – in the form of three short improvised video pieces, linked or connected as chapters – had its informal beginnings in the early days of the lockdown in the UK. In early March we had abandoned physical rehearsals in Sheffield for a new theatre work, ›Under Bright Light‹, which was due to open in Germany on 23rd April.

ARTIST SUMMIT Publication

The artists’ group HOOD invited 30 dance practitioners to take part in a nine-day critical exchange at Zollverein – the ARTIST SUMMIT in the frame of the Dance Platform in Germany 2018. To give an insight into the event, HOOD created a publication which documents the material and immaterial outcomes of the encounter.  

Gabriele Gramelsberger: Auf dem Weg zum Wetware-Computing

DNA gilt als natürlicher Informationsspeicher und Zellen werden als lebendige Programme interpretiert, die seit Jahrhunderten erfolgreich Codes replizieren. Sowohl DNA als auch Zellen werden zunehmend für das Wetware-Computing genutzt — Computer aus organischem Material. Die sich abzeichnende Entwicklung tritt dabei nicht an, um herkömmliche Computer zu ersetzen, sondern um lebendige Computer im Inneren von Tieren und Menschen zu entwickeln, die beispielsweise Krankheiten und toxische Bedrohungen erkennen.

Emilia Sanabria & Kaushik Sunder Rajan

In Laboren extrahieren, isolieren und modifizieren Wissenschaftler*innen diese fluiden Stoffe. Doch entfalten sie ihre spätere Wirkung nicht in kontrollierten Laboreinrichtungen, sondern vielmehr in lebendigen Körpern, bevor sie zurück in die Umwelt gelangen. In ihrem Vortrag argumentiert Emilia Sanabria, dass Medikamentenkonsum gemeinsam mit dem Strom von Substanzen in die Umwelt und durch menschliche und tierische Körper — die eben nicht mit der Hautoberfläche enden — gedacht werden muss. Kaushik Sunder Rajan ist Professor für Anthropologie und stellvertretender Leiter des Chicago Center for Contemporary Theory an der University of Chicago. Seine aktuelle Forschung umfasst die globalen Verflechtungen und Veränderungen in den Biotech- und Pharmaindustrien, die er mit dem Begriff ›Biokapital‹ beschreibt.

Luiza Prado de O. Martins: Eine Topografie der Exzesse

Luiza Prado de O. Martins beschäftigt sich in ihrem aktuellen künstlerischen Forschungsprojekt mit technischen Methoden zur Geburtenkontrolle und setzt diese in Relation zu kolonialen Prozessen der Konstruktion und Produktion von Rasse, Gender und Sexualität. Sie hinterfragt, inwiefern die Exzesse, die marginalisierten gesellschaftlichen Gruppen durch eurozentrische Vorstellungen von Körper, Wissen, Sexualität und Subjektivität zugeschrieben werden, grundsätzlich mit kolonialen Gewalttaten verbunden sind.