Anne Nguyen: À mon bel amour / Emotions - Phrases - Masques
Videosequenzen und Glossar

Kategorie
Dokumentation

Fließend bewegt sich Anne Nguyen zwischen den Grenzen verschiedener Stile und verbindet diese in lässiger Eleganz. Für ›À mon bel amour‹, das im März bei PACT zu sehen gewesen wäre, beschäftigte sich die französisch-vietnamesische Choreographin mit der Wahrnehmung des Individuums, der des Paares und des Kollektivs innerhalb verschiedener Identitäts- und Schönheitsentwürfe. Dabei lässt sie mit Voguing, Waacking, Popping, Locking und Krump verschiedene urbane Stile mit zeitgenössischem Tanz zusammenwirken. In ihrem Beitrag für #pactconnected hat Anne Nguyen ein Glossar der Stile und drei Videosequenzen ihrer Arbeit zusammengestellt. 

Voguing
Die Ursprünge des Voguing liegen in der Ballroom-Szene und Drag-Wettbewerben. Ihren Anfang nahmen die Wettbewerbe und Shows in den 1960er Jahren in den afro-amerikanischen und lateinamerikanischen LGBTQ-Communities in Harlem, die in einer ohnehin von Rassismus geprägten Gesellschaft, erlebten wie auch auf Drag-Queen-Contests stets nur weiße Wettbewerber*innen ausgezeichnet wurden. Wo der Begriff Voguing, der sich an die Zeitschrift Vogue anlehnt, erstmals aufkam ist unklar. So gibt es etwas Zeugnisse über Inhaftierte der New Yorker Gefängnisinsel Rikers Island, die in Wettbewerben die abgebildeten Posen des Modemagazins nachstellten.

Waacking
Waacking, oder Punking, wie es ursprünglich hieß, ist ein Tanzstil, der – inspiriert von Funk und Underground-Disco – in den 1970er Jahren in Los Angeles entstand. Ursprünglich war der Stil in Nachtclubs zu finden, in denen die afro- und lateinamerikanische LGBTQ-Community sich frei ausdrücken konnte. Die ursprüngliche Bezeichnung ‚Punking‘, ging auf eine positive Aneignung des negativ-besetzten Ausdrucks Punk zurück, mit der zu jener Zeit die queere Community beschrieben wurde. Daraus entwickelte sich später ‚whacking‘ und schließlich ‚waacking‘: die ausladende Hand – der ‚Whaak‘ (wie in »You’re whack«) – bildete das gestische Wiedererkennungsmerkmal und bezog sich auf eine lautmalerische Geste, die aus Cartoons bekannt war. ‚Waacking‘ initiert eine soziale Art des Tanzes ab – der Stil lässt eine Gruppe entstehen, die sich durch eine gemeinsame Sprache verbindet.

Popping
Auch unter der vollständigen Bezeichnung ‚Popping Boogaloo‘ bekannt, ist ‚Popping‘ eine Spezialität des Hip-Hop, die in Europa als ‚Schtroumpf‘ (en. ‚Smurf‘ / dt. ‚Schlumpf‘) bezeichnet wurde – eine Anspielung auf die weißen Handschuhe die von bestimmten Tänzern getragen wurden. Der so genannte ‚Funk‘-Stil – benannt nach der Musik, zu der die Tänzer sich bewegten – hatte Ende der 70er Jahre in Kalifornien durch Boogaloo Sam und seiner Gruppe Electric Boogaloos seine Geburststunde. Inspiriert war er von Locking, aber auch von Pantomime, Roboter-Bewegungen, Hieroglyphen, orientalischem Tanz und sogar von Tieren, wie Schlangen. Er basiert auf muskulärer Isolation und Dissoziation, auf linearen Figuren, gebrochenen Formen und Körperillusionen. Brüche und Kontraste bilden die bestimmenden Muster: fließende und entspannte Bewegungen wechseln sich ab mit Kontraktionen und Blöcken.

Locking
Der ultimative funky dance, benannt nach der Musik, zu der die Tänzer sich im ‚Funk‘-Stil bewegten. Der Stil kam in den späten 70er Jahren in Kalifornien auf und wurde von Don Campbell Lock und seiner Gruppe The Lockers geprägt. Die amerikanische TV-Show ›Sould Train‹ machte den Stil populär und Künstler wie James Brown und Michael Jackson trugen zu seiner Bekanntheit bei. ‚Locking‘ ist ein ausdrucksstarker, energischer und athletischer Tanz, der Lebensfreude ausstrahlt. Kombiniert werden schnelle Bewegungen und Pausen, eingefrorene Bewegungen im Oberkörper und flüssige Bewegungen im Unterkörper.

Krump:

Statt einer Beschreibung möchte ich hier den Film ›Rize‹ von David LaChapelle empfehlen: https://www.youtube.com/watch?v=8xQSzm-T40Q