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Veronesergrün

In der Fensterscheibe hinter der Lidl-Kasse schwebt eine schwarze Wolke vorbei. Die Kassiererin lässt sich dadurch von ihrer guten Laune nicht abbringen. Jedem Kunden in der Schlange gibt sie passend zu seinen Produkten einen aufmunternden Scherz mit auf den Weg. Der Student hinter mir wirkt bereits etwas ängstlich. Gleich wird er vier vegane Pizzen kaufen.

Nofretete

Die Grafikerin vom Stadtmarketing korrigiert den Schatten. Er ist zu klein. Oder der Förderturm doch noch zu groß. So eine Kacke. Die ganzen Verhältnisse der schönen Skyline stimmen nicht mehr, seit dieses Dreieck dazugekommen ist. Aber es darf auf keinem offiziellen Plakat und keinem Flyer, auf keiner städtischen Webseite mehr fehlen. Das höchste Gebäude in Essen wird bald eine Pyramide sein.

Panoramaetage

Klein anfangen, wenn du ein Ende suchst. Kleiner Essener heißt der Stadtplan, in dem ich suche. Zunächst mal nach der Stadtgrenze. Ich will schauen, ob man dort einen Unterschied erkennt zur Nachbarstadt. Insgeheim unterstelle ich bereits, dass das nicht so ist – wie die meisten Forschenden, weiß ich eigentlich schon im Voraus, was ich rausfinden möchte. Mein unwissenschaftliches Vorhaben lässt der kleine Essener aber nicht mit sich machen. Anstelle der Stadtgrenze zeigt mir der Stadtplan eine Liste: 25 mal Sehens- und Erlebenswertes in Essen. Nummer eins ist gleich die erste Überraschung: das Rathaus. Panoramaetage (22. Etage) in 100m Höhe, heißt es im Beschreibungstext, von der sich ein herrlicher Fernblick auf Essen und das Ruhrgebiet bietet.