ATELIER No. 64 – Online Edition
Die Plattform für neue Kunst und Choreographie

  • Fr. 20.11.20 18 Uhr
  • Sa. 21.11.20
  • So. 22.11.20

Das beliebte ATELIER zieht in seiner 64. Ausgabe zu den Zuschauer*innen nach Hause. Von Dokumentarfilmen über Performance-Streams, Audioperformances und Website-Experimenten – drei Tage lang präsentieren Künstler*innen ein vielfältiges Programm mit filmischen, fotografischen und multimedialen Präsentationen auf der Website von PACT und stehen in Künstler*innengesprächen Rede und Antwort. 

Livestreams (Fr 20.11. 20 Uhr, Sa 21.11. 19 Uhr & 20 Uhr)

Verena Hahn ›Deutsche Prepper‹
Verena Hahn

Verena Hahn ›Deutsche Prepper‹ – Fr 20.11. 20 Uhr

›Deutsche Prepper‹ ist ein experimenteller Dokumentarfilm, der den Welterfahrungen, Selbstwahrnehmungen und Praxen dreier Prepper nachgeht. Prepping ist ein Lebensstil, in welchem die Prepper Krisen antizipieren, sich in ständiger Vorbereitung darauf befinden und Vorräte horten. Sie erscheinen hier jedoch nur kurz vor der Kamera, denn Regisseurin und Protagonist*innen haben die Rollen getauscht. Der Film verhandelt Fragen nach Kompetenz, Normalität, Vertrauen, und danach, wer das Recht hat, zu führen und zu sprechen.

Barbara Posch ›trans luz‹
Barbara Posch

Barbara Posch ›trans luz‹ – Sa 21.11. 19 Uhr

Der Ausdruck ›Just in Time‹ bezeichnet in der Warenwirtschaft eine Form von Inventar-Verwaltung bzw. im allgemeineren Sinne eine Art von Produktionsphilosophie. Dabei ist das Ziel, stehendes Inventar zu vermeiden und einen kontinuierlichen und stabilen Warenfluss herzustellen. Demzufolge ist alles, was nicht in Bewegung ist Ausschuss bzw. Abfall. Was aber, wenn sich ein notwendiges Element (Stretchfolie) dieser produktiven Momente (Transport) so verdichtet, dass es materiell massiv und schwer wird, und letztendlich als toter Ausschuss liegen bleibt?
 In ›trans luz‹ hat sich die Transparenz der Folie zu Opazität verdichtet und ist nicht mehr durchschaubar. Bei der Herstellung der Skulptur-Elemente steht das zeitintensive Umwickeln - immer und immer wieder um die Metallkonstruktion herum - und der dafür nötige körperliche Einsatz in Kontrast zur optimierten Beschleunigung in Produktionsabläufen wettbewerbsfähiger Unternehmen.

Zauri Matikashvili  ›Corona Rebellen‹
Zauri Matikashvili

Zauri Matikashvili ›Corona Rebellen‹ – Sa 21.11. 20 Uhr

Seit dem Frühjahr 2020 meditieren in vielen deutschen Städten jede Woche „Corona-Rebellen“. Sie protestieren damit gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. Auf ihren Kundgebungen sind nicht nur Esoteriker*innen und Anhänger*innen von Jesus, Gandhi oder Mandela zu sehen, sondern auch Verschwörungsideolog*innen und Rechtsextremist*innen. Die Reichskriegsflagge weht neben der Regenbogenfahne, Hippies in farbenprächtigen Gewändern tanzen barfuß neben schwarzgekleideten Neonazis. Im August kommen viele tausend Demonstrant*innen in Berlin zusammen. Was bedeutet ihnen die Sorge ums Selbst, Freiheit und soziale Verantwortung? Was eint sie, was treibt sie an, wie organisieren sie sich? Mit wem verbünden sie sich? Wie stehen sie zur Demokratie? Und welche Rolle spielen QAnon und die Reichsbürger*innen, die vor den russischen und amerikanischen Botschaften einen „Friedensvertrag“ fordern? Der Filmemacher Zauri Matikashvili begleitete die Demonstrationen und sprach mit den Teilnehmer*innen. Was treibt sie an?

Digitale Ausstellung / On Demand

Brigitte Huezo, iSaAc Espinoza Hidrobo und Beomseok Jeong ›Portraits‹
Nathan Ishar

Brigitte Huezo, iSaAc Espinoza Hidrobo und Beomseok Jeong ›Portraits‹

Das Projekt untersucht die Frage, wie tänzerische Portraits genutzt werden können, um sich choreographisch mit queeren Identitätsverständnissen auseinanderzusetzen. Die klassische, kunsthistorische Form des Portraits ist repräsentationsorientiert. Was wäre ein bewegliches Portrait, das Individuen nicht starr im Rahmen der sozialen Norm festlegt? Wie kann ein fließender Übergang zwischen Tanz und verschiedenen Medien ermöglicht werden? Inwiefern besteht jedes einzelne Portrait aus vielen Identitäten? Wie kann man ein „queeres“ Portrait gestalten? Das Projekt ist nicht nur eine schriftliche Analyse und Aufzeichnung menschlicher Bewegung, sondern verwendet auch einen Mix aus Videos, Malerei, Zeichnungen, Audioaufnahmen, Fashion Design, digitalen 3D-Drucken und Photographie. Dabei wird die Choreographie an unterschiedliche Kontexte adaptiert: an private oder öffentliche Räume sowie soziales Verhalten und Interaktion der Zuschauer*innen, Passant*innen und Anwohner*innen.

Wiebke Meischner ›Abstrakte Architektur‹
Wiebke Meischner

Wiebke Meischner ›Abstrakte Architektur‹

Wie ein Raumschiff, das in einer einsamen Wüste gelandet ist, muten manche der geometrischen Formen an, die in ›Abstrakte Architektur‹ (2019) zu sehen sind. Gebäudefassaden oder -elemente wurden so fotografiert, dass monumentale Erscheinungen entstanden sind, die sich zwischen Realität und Skulptur bewegen. Durch die Reduzierung von Hinweisen auf die Maßstäbe verschwimmen die Grenzen zur Wirklichkeit und die Betrachter*innen werden aufgefordert, eigene Assoziationen zu bilden. Verstärkt wird diese Wirkung durch die großformatigen Abzüge (95 × 140 cm), die das Korn des analogen Mediums hervorbringen und einen fließenden Übergang der Materialitäten erzeugen.

Walter Solon ›Mother of All Fictions‹
Walter Solon

Walter Solon ›Mother of All Fictions‹

Der Kurzfilm ›Mother of All Fictions‹ ist die Geschichte hinter einem gescheiterten Filmprojekt. 2016: Der südamerikanische Filmemacher Walter Solon reist nach Los Angeles. Sein Ziel ist es, ein Drehbuch basierend auf der Biographie seiner Großtante Lina Mosebach und den Mythen, die sich um sie ranken, zu schreiben. Lina war von Deutschland nach Los Angeles emigriert, nachdem sie den Holocaust überlebt hatte. Sie verbrachte ihre Jugendjahre mit Walter Solons Urgroßeltern in Südamerika. Der Familienmythos besagt, das Lina Filmemacherin für die CIA wurde und in der Produktion von Propaganda-Filmen für Lateinamerikaner*innen beteiligt war.

Alessandra Ferreri, Joshua Vanhaverbeke, Matteo Sedda / Vitamina ›https://www.neverstopscrollingbaby.com‹
Joshua Vanhaverbeke

Alessandra Ferreri, Joshua Vanhaverbeke, Matteo Sedda / Vitamina ›https://www.neverstopscrollingbaby.com‹

›https://www.neverstopscrollingbaby.com‹ ist eine digitale Performance, die gegenwärtige Codes der sozialen Medien aufgreift, um die Narration einer Choreographie zu entwickeln und somit neue Formen der künstlerischen Darstellung angesichts der aktuellen Herausforderungen zu erforschen. Das Projekt ist eine Adaption der work-in-progress Soloperformance ›Never Stop Scrolling Baby‹, die sich mit dem unendlichen Akt des Scrollens befasst und uns mit der rasanten Geschwindigkeit der heutigen Zeit konfrontiert, in der jede*r permanent einer Pornographie an Informationen ausgesetzt ist. In ihrer Performance stellen sich Vitamina diesem nicht zu befriedigenden Drang, der eine*n an den Bildschirm fesselt, ausgelöst durch Reize visueller Gewalt, Mitteilungen und Nachrichtentöne. Wie moderne Gladiatoren in einer Ära, in der die Konzentration eines Goldfisches größer ist als die des Menschen, und in welcher Identität in unzählige bunte Bruchstücke von Content fragmentiert wird, die der Algorithmus der sozialen Medien vorschlägt.

Daria Nazarenko / Kati Menze ›Sunlit Portion of Domestication‹
Justus Pfeifer

Daria Nazarenko / Kati Menze ›Sunlit Portion of Domestication‹

In Anbetracht der Corona-Pandemie zogen sich Menschen auf aller Welt plötzlich in die eigenen vier Wände zurück, das geteilte öffentliche Leben verstummte. Unsere mobile, digitale Gesellschaft wurde zurück in den häuslichen Raum gezwungen. In ›Sunlit Portion of Domestication‹ beobachten wir zwei Bewohnerinnen eines leerstehenden Raumes, die diesen in einer installativen Performance besetzen. Mit ihren Bewegungen durch den Raum reflektieren sie, welcher zukünftige Umgang mit Körperlichkeit aus einem globalen Isolationsprozess hervorgeht. Die Fragen nach den Räumen und der Räumlichkeit, in der wir uns frei bewegen können und nach den bestimmenden Routinen unseren Alltag, wurden angesichts der Pandemie essentiell. Als die Pandemie individuelle Gewohn- und Gewissheiten erschütterte und globale Kettenreaktionen die Alltagsroutinen bröckeln ließ, wurde der Haushalt unbewusst zum Brennglas für die Existenz und die Funktionalität des Körpers in einem geschlossenen (Gedanken-)Raum.

Stefania Smolkina ›Landing Day‹
Stefania Smolkina

Stefania Smolkina ›Landing Day‹

Die Videoinstallation ›Landing Day‹ beschäftigt sich mit der Symbolik, die mit dem Pflanzen eines Baumes erzeugt wird. Dieser rituelle Akt wird oft als ein Friedens- oder Schönheitssymbol verstanden und findet daher oft als politische, repräsentative Geste seinen Platz. Während der letzten Dekade wurde das groß angelegte Pflanzen von Bäumen zu einer breit akzeptierten, einfachen und relativ günstigen Methode, den Klimawandel zu bekämpfen. Im Russischen bedeutet das Wort „planzen“ nicht nur, eine Pflanze in den Boden zu setzten, sondern auch, jemanden in eine Position zu heben, zu verhaften oder ins Gefängnis zu stecken.

Eng Kai Er ›100 Advertisements‹

Eng Kai Er ›100 Advertisements‹

›100 Advertisements‹ ist ein fortlaufendes Projekt, in dem Kai Er Eng Audio-Werbespots für imaginäre Produkte oder Dienstleistungen entwickelt, welche sich Menschen – oder auch die Künstlerin selbst – wünschen könnten. Das Projekt begann im März 2020 – »Nun ja, Sie wissen, was zu dieser Zeit geschah« – und ist eine persönliche Dokumentation dieser Zeit: teils Corona-Tagebuch, teils Wunschdenken.

 ›Ojeoje, Transluzente Absätze‹

Barbara Posch

Barbara Posch ›Ojeoje, Transluzente Absätze‹


In dem Kreisen um Logistik, Transparenz und Opazität ist neben der mehrteiligen Skulptur (trans luz) auch ein Text (Ojeoje, Transluzente Absätze) entstanden. Beide Arbeiten gehen vom Material aus: die Skulptur geht dabei von der in der Logistikindustrie häufig verwendeten Stretchfolie aus, beim Text vor allem von verschiedenen Formen der Sprache (Business-Sprache, Amtssprache, Alltagssprache) und der Art, wie diese zum Einsatz kommt. Die Audioarbeit spricht einen an, zieht die Aufmerksamkeit auf sich, ohne dass sich dabei etwas klärt, sie ist wie eine Bewegung bei gleichzeitigem Stillstand.

Weitere Veranstaltungen