Dialoge zur Gegenwart der Zukunft

Im Rahmen von Hidden Futures

Termine:

Sa 09.05.26

14:00

Barrierefreiheit vor Ort

Barrierefreier Zugang
Weitere Hinweise zur Barrierefreiheit

Veranstaltungsort:

PACT Zollverein

Bullmannaue 20A

45327 Essen

Deutschland

Tickets

Beim Ticketkauf haben Sie die Möglichkeit, nach Selbsteinschätzung zwischen vier verschiedenen Preis-Kategorien auszuwählen:

- Minimalpreis
- Ermäßigter Preis
- Regulärer Preis
- Unterstützer*innen Preis

Darüber hinaus bieten wir ein Kontingent an kostenlosen Tickets an, damit alle Menschen – unabhängig von ihrem Einkommen – teilhaben können. Schreiben Sie uns dafür einfach eine E-Mail an service@pact-zollverein.de.

Einlass

13 Uhr

Sprache

Englische Lautsprache

Gastronomisches Angebot

Unsere Gastronomie bietet im Foyer abends regionale, saisonale und frische Küche sowie eine Auswahl an Kaltgetränken an. Bitte beachten Sie, dass wir hier aktuell ausschließlich Barzahlung entgegennehmen können.

Großer, unregelmäßig geformter Stein mit metallisch glänzender Oberfläche steht auf einem Pult im Vordergrund. Zwei Mikrofone mit roten Spitzen sind vor dem Stein positioniert. Im Hintergrund ist eine hölzerne Wand mit rechteckigen Paneelen sichtbar. Links auf dem Pult steht ein Glas Wasser.

© Nonhuman Nonsense

Am zweiten Tag von ›Hidden Futures‹ treten bei PACT Künstler*innen und Forscher*innen in einen Dialog, um unterschiedliche Wissensformen und Praxen jenseits der Versprechen technologischer Entwicklungen zu verhandeln. Zukunft wird dabei als eine Gegenwart erfasst, die von Vorhersagesystemen geprägt ist und schon jetzt Wirklichkeit ordnet und mit hervorbringt.

Das Programm versammelt acht Perspektiven auf Phänomene, in denen Technologie und Zukunftsvisionen ineinander greifen – vom Kosmologischen bis hin zum Alltäglichen. In vier Gesprächsrunden, die jeweils in ein Publikumsgespräch übergehen, werden Themen wie die Idee der Rechtspersönlichkeit für den Mars, der Fluss von Waren aus China in den Rest der Welt, präventive Polizeiarbeit, KI-Infrastrukturen, Disability-Justice-Technologie sowie Stadtplanung in Extraktionslandschaften verhandelt.

Mit Choy Ka Fai, Ren Loren Britton, Nonhuman Nonsense, Nelly Y. Pinkrah, Yi Gu, Tomas Percival, Sarah Ciston und Chelsea Haramia.

PROGRAMM

14 Uhr
Begrüßung

14:15 Uhr
Cosmic Collective – Frictions between human and nonhuman worlds
Nonhuman Nonsense – ›Planetary Personhood‹
Chelsea Haramia – ›From AI to Aliens: Unsustainable Technology and the Extraterrestrial Turn‹

anschl. Gespräch & Q&A

15:30 Uhr
Mapping China – Notes from the Yellow Magic Era & China, rendered
Choy Ka Fai – ›Notes from the Yellow Magic Era‹
Yi Gu – ›China, Rendered‹

anschl. Gespräch und Q&A

16:40 – 17 Uhr
Pause

17 Uhr
Shifting Language - The Technological Everyday & Disability Justice
Nelly Y. Pinkrah
Ren Loren Britton – ›INDEXING FOR DISABILITY JUSTICE: BLOCKS, PLATES, BOARDS, VOLUMES AND SHAFTS‹

anschl. Gespräch und Q&A

18:15 Uhr
Our Digital Tools – Prison Records & AI War Cloud
Tomas Percival – ›Prison Records‹
Sarah Ciston – ›AI War Cloud‹

anschl. Gespräch und Q&A

ab 19:30 Uhr
Get together & Bar im Foyer

PROGRAMM

Cosmic Collective – Frictions between human and nonhuman worlds
mit Nonhuman Nonsense & Chelsea Haramia

Nonhuman Nonsense – ›Planetary Personhood‹

›Planetary Personhood‹ ist eine interplanetare Kampagne, deren Ziel eine radikale Dekolonialisierung des Weltraums ist. Das Projekt schlägt vor, dem Planeten Mars den juristischen Status einer Rechtspersönlichkeit zuzuerkennen, und zieht die Möglichkeit in Betracht, sich mit den dort bereits vorhandenen Wesen – den Steinen – zu solidarisieren! Mittels einer ›Allgemeinen Erklärung der Rechte des Mars‹ fragt das Projekt: Kann die Menschheit einem Planeten Verbundenheit und Fürsorge entgegenbringen, auch wenn es dort kein ›Leben‹ gibt?

Rötlich-braune Marslandschaft mit sandigem Boden, verstreuten Steinen und kleinen Felsen. Im rechten Bildbereich steht ein rechteckiges Schild mit weißer Schrift auf dunklem Hintergrund. Der Himmel ist einheitlich hellbraun gefärbt. Auf dem Schild steht: 'MARS IS NOT TERRA NULLIUS!'.

© Nonhuman Nonsense

Chelsea Haramia – ›From AI to Aliens: Unsustainable Technology and the Extraterrestrial Turn‹

Mit dieser Arbeit ruft die Künstlerin den ›Extraterrestrial Turn‹ (›die außerirdische Wende‹) aus, der sowohl eine konzeptuelle Verschiebung als auch ein methodisches Werkzeug darstellt, das es uns ermöglicht, anthropozentrische und erdgebundene Rahmenkonzepte nachhaltiger Technologie infrage zu stellen. Gleichzeitig dient dieser konzeptionelle Ansatz dazu, auszuloten, welche Rolle uns als Gemeinschaft von Artgenoss*innen zufällt, die in Verantwortungsbeziehungen zum Planetarischen, zum Extraplanetarischen und zum Außerirdischen steht.

Ein Portrait von Chelsea Haramia. Chelsea hat kinnlange, glattem, rosafarbene Haare und steht vor einem einfarbig rosafarbenem Hintergrund. Chelsea trägt ein dunkelblaues Oberteil mit hellem Muster über einem weißen Oberteil.

© Chelsea Haramia

Nonhuman Nonsense ist ein forschungsorientiertes Kunst- und Designkollektiv, das mit den Konzepten der Sozialen Traummatrix (Social Dreaming) und der Welterzeugung (World-Making) arbeitet. Seine Mitglieder setzen „Unsinn“, „Nonsens“ als Gegenmittel zum „gesunden Menschenverstand“ ein – wobei sie bevorzugt paradoxe Geschichten aufgreifen, um die ethischen und metaphysischen Spannungen zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Welten auszuloten. Indem sie Vorschläge entwickeln, die voller Widersprüche sind, zeigen sie, dass es an sich schon unsinnig ist, diese miteinander verflochtenen Welten auseinanderdividieren zu wollen.

Dr. Chelsea Haramia ist Philosophin und Ethikerin. In ihrer Forschung befasst sie sich mit Fragen an den Schnittstellen von Wissenschaft, Technologie, Werten und Umwelt. Sie ist Senior Research Fellow am Center for Science and Thought (CST) der Universität Bonn sowie Mitwirkende am Projekt ›Desirable AI‹. Darüber hinaus ist sie Co-Direktorin des ›Discovery and Futures Lab‹ am SETI Institute (Mountain View, Kalifornien).


Mapping China – Notes from the Yellow Magic Era & China, rendered
mit Choy Ka Fai & Yi Gu

Choy Ka Fai – ›Notes from the Yellow Magic Era‹

2014 kündigte China seine groß angelegte ›Neue-Seidenstraßen-Initiative‹ als globales Projekt für gemeinsamen Wohlstand an. Als damalige Werkbank der Welt hatte das Land eine beherrschende Stellung in Bezug auf die materiellen Güter inne und die Vision vor Augen, im kommenden Jahrzehnt eine Wandlung zu durchlaufen und daraus als neue globale Supermacht hervorzugehen. Ziel des Projektes ›Notes from the Yellow Magic Era‹ ist eine Analyse, wie sich der chinesische Einfluss auf die Zukunft der Welt auswirkt. Choy Ka Fai fasziniert der Fluss der Waren aus China in den Rest der Welt und die Frage, wie die chinesische Softpower das Alltagsleben unzähliger Menschen auf der ganzen Welt durchdringt. In einem ersten Schritt widmet sich seine Recherche der bedeutenden Handels- und Logistikroute, die von Yiwu nach Madrid führt.

Yi Gu – ›China, Rendered‹

Yi Gu’s Projekt befasst sich mit der chinesischen ›Real-Scene 3D‹-Initiative, einer neuen territorialen Kontroll-Infrastruktur. Mit einem besonderen Augenmerk auf das Verfahren der Schrägbild-Photogrammetrie fragt es danach, inwiefern der Anspruch auf nahtlosen 3D-Realismus von der Vermittlung durch Fachleute, versteckter Arbeit und neuen Formen datengestützten Flächen- und Bodenmanagements abhängt, insbesondere im ländlichen China.

Choy Ka Fai ist ein in Berlin lebender singapurischer Künstler, der mit seinem Schaffen am Schnittpunkt von Tanz, Performance und Medienkunst die Limitierungen des menschlichen Körpers neu auslotet. Mit seinem multidisziplinären Werk überschreitet er die Grenzen traditioneller Kategorien, um nach Realitäten jenseits unserer eigenen zu suchen. Seine Werkreihe ›CosmicWander‹ (seit 2019) befasst sich mittels Performance und Ausstellung mit schamanischen Tanzkulturen Asiens. Sie wurde erstmals im Singapore Art Museum und im tanzhaus nrw in Düsseldorf gezeigt. Seine Performance-Arbeiten waren im Sadler’s Wells Theatre (London), beim ImPulsTanz Festival (Wien) und dem Kyoto Experiment-Festival zu sehen. In jüngerer Zeit wurden seine Werke auf der Biennale of Sydney, im Haus der Kulturen der Welt (Berlin) und in der Bundeskunsthalle (Bonn) präsentiert. Ka Fai absolvierte einen Master im Bereich Design Interaction am Royal College of Art in London.

Yi Gu ist außerordentliche Professorin für Kunstgeschichte an der University of Toronto. Sie beschäftigt sich mit der Kunst und visuellen Kultur der Moderne und der Gegenwart, ihr Schwerpunkt liegt dabei auf Asien und insbesondere China. In ihrer Forschung befasst sie sich mit Politiken des Ästhetischen, Datenvisualisierung, der visuellen Kultur des Kalten Krieges, Massenkunst und Amateur*innen-Praktiken, asiatischer Fotografie sowie kritischer Kartografie und Geoinformationssystemen.


Shifting Language - The Technological Everyday & Disability Justice
mit Nelly Y. Pinkrah & Ren Loren Britton

Nelly Y. Pinkrah

Nelly Y. Pinkrah begreift Sprache als historisch gewachsene, epistemische Technik, mit deren rekursiven Verfahren sie sich sowohl in Bezug auf die gesprochene Sprache, ihren Klang wie auch ihren Code befasst. Dafür entwickelt sie Konstellationen aus karibischen, Black Studies- sowie medientheoretischen Einflüssen. Ihre Texte, Klanglandschaften und künstlerischen Interventionen tendieren stets zum Relationalen, und sie schafft bewusst Momente, die Räume halten und ein gemeinsames, vielleicht sogar kollektives Erlebnis ermöglichen.

Ein Portrait von Nelly Y. Pinkrah. Nelly hat dunkle Haare, die sie hochgesteckt hat und braune Augen. Sie steht vor einer weißen Wand. Nelly hat ein dunkles Oberteil an.

© Nelly Y. Pinkrah

Ren Loren Britton – ›INDEXING FOR DISABILITY JUSTICE: BLOCKS, PLATES, BOARDS, VOLUMES AND SHAFTS‹

Dieser Index versteht sich als technisches Mittel im Dienste der Gerechtigkeit für Menschen mit Behinderung. Er erzählt mit hir-her-his-storischen Technologien Geschichten und verhandelt Möglichkeiten, Ähnlichkeiten und verkörperte Differenzen zu benennen. Als Gegenthese zu techno-rassistisch-kapitalistischen Narrativen, die unterstellen, dass „wir“ nur User*innen sind – die beeinflusst und ausgebeutet werden können –, begegnet uns hier eine Reihe von hir-storischen, intersektionalen, Crip-, Behinderten-, koalitionellen, queeren, trans* und BIPoC-Innovationen, die die technischen Verhältnisse verschieben – hin zum Trans*Crip-Pluralen.

Ein Foto von Ren Loren Britton: Ren hat kurze, lockige Haare und hält zwei große, glänzende, blaue Ballons. Ren trägt ein dunkles Oberteil und mehrere Ringe an der linken Hand. Ren scheint sich in einem Raum zu befinden, hinter Ren sind Glaswände zu erkennen.

Ren Loren Britton © Christian van't Hoen

Nelly Y. Pinkrah ist Wissenschaftlerin im Bereich Black Studies und Medienwissenschaften. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen Black Studies, Medien und Technologie, Poetik, Politik und kritische Pädagogik. In ihrer Doktorarbeit untersucht sie ›The Technological Everyday‹ (das technologisch Alltägliche), wobei sie Édouard Glissants Denken auf Sprache als Technologie, Geschichte, Kybernetik, Poetik und Epistemologie anwendet. Gemeinsam mit Mitch Pfeifer leitet sie die School of (Un)Thought (Teil des ASchool-Netzwerks) und gehört darüber hinaus dem Sprecher*innenkreis der Allianz für Kritische und Solidarische Wissenschaft (KriSol) an.

Ren Loren Britton ist Künstler*in-Designer*in und verfolgt dabei einen transdisziplinären Ansatz. Britton berührt dabei Themen wie Trans*feminismus, Technowissenschaften, radikale Pädagogik und Gerechtigkeit für Menschen mit Behinderung und schafft dabei multisensorische Medieninstallationen. Das Trans*sein in Brittons Schaffen wirft die Frage auf, was nötig wäre, damit – Pleasure für alle – möglich wird. Britton befasst sich mit pluralen hir-his-her-Storys und Gegenwarten gesellschaftlicher und technischer Infrastrukturen, die Leben verfügbar und möglich machen.


Our Digital Tools – Prison Records & AI War Cloud
mit Tomas Percival & Sarah Ciston

Tomas Percival – ›Prison Records‹

Tomas Percival befasst sich in ›Prison Records‹ mit digitalen Werkzeugen, die im Strafvollzug sowie in der Bewährungshilfe in England und Wales zur Anwendung kommen. Das Projekt untersucht, inwiefern routinemäßig eingesetzte administrative Werkzeuge (Datenbanken, Risikobewertungen und Protokolle zum Informationsaustausch) erhebliche, zugleich aber oft auch undurchsichtige Auswirkungen auf das Leben inhaftierter Personen haben. Zugleich rückt ›Prison Records‹ die Handlungsmacht und Widerständigkeit derjenigen in den Vordergrund, die diesen Systemen ausgesetzt sind.

Ein Portrait von Tomas Percival. Tomas hat kurze, dunkle Haare und braune Augen. Er hat ein graues Hemd an, darüber eine braune Jacke und steht vor einer grauen Wand.

Tomas Percival © Claudia Peppel

Sarah Ciston

›AI War Cloud‹ ist eine interaktive Datenbank und Kunstinstallation, die militärische und kommerzielle Dual-Use-KI-Systeme kartografisch festhält und damit den gegenwärtigen techno-imperialen Bumerangeffekt verdeutlicht, der durch das maschinelle Lernen aufrechterhalten wird. In dem Projekt wird die Frage nach der Verantwortung der User*innen aufgeworfen, wenn die digitalen Werkzeuge, mit denen sie täglich zu tun haben, auch dazu genutzt werden, auf globaler Ebene Krieg zu führen.

Ein Portrait von Sarah Ciston. Sarah hat lange, glatte, braune Haaren und steht frontal vor einer Mauer aus rötlichen Betonsteinen. Sarah trägt einen kurzärmeligen, hellen Overall mit Gürtel. Auf dem linken Oberarm ist eine tätowierte Grafik sichtbar.

Sarah Ciston © Paige Zangoglia

Tomas Percival ist Künstler und Forscher und befasst sich in seiner Arbeit mit Technologien der (Un-)Sicherheit. Er ist Mitherausgeber von ›Border Environments‹ (2023), ›Militant Media‹ (2024) und ›Common Sensing‹ (2025). Nach dem Master of Fine Arts an der UCLA promovierte er am Centre for Research Architecture an der Goldsmiths, University of London. Derzeit ist er Fellow am ICI Berlin Institute for Cultural Inquiry.

Sarah Ciston ist Professor*in für Computational Thinking und Aesthetic Doing an der Kunsthochschule für Medien Köln. Cistons künstlerische Forschung befasst sich mit Tools zur Integration intersektionaler, kritisch-kreativer Ansätze in das maschinelle Lernen. 2025 mit dem Ars Electronica STARTS Grand Prize ausgezeichnet, ist Ciston Autor*in von ›A Critical Field Guide for Working with Machine Learning Datasets‹ und Co-Autor*in von ›Inventing ELIZA: How the First Chatbot Shaped the Future of AI‹ (MIT Press, Frühjahr 2026).


Weitere Veranstaltungen

Mi 27.05.2615:0018:00 Uhr
Mi 03.06.2615:00 Uhr
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Eintritt frei
Fr 29.05.2620:00 Uhr
Sa 30.05.2620:00 Uhr

Deutschlandpremiere

Koproduktion

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