Ein Brief von Claire Vivianne Sobottke, Maria Francesca Scaroni & Tian Rotteveel


by Claire Vivianne Sobottke, Maria Francesca Scaroni & Tian Rotteveel

Themen
Fellowships

Während der letzten Monate, als sich das Leben, ebenso wie unsere Beziehungen und unsere Arbeit durch COVID radikal veränderten, fühlten wir uns in diesen Zeiten der Krise* ebenso inspiriert wie auch gezwungen, alternative Wege für Begegnungen, Forschung und gegenseitige Unterstützung zu entwerfen und zu beschreiten. Mit der Unmöglichkeit, einander zu berühren, verlagerte sich unser Arbeitsraum nach draußen: Dort widmeten wir uns einer Praxis des 'coming down to earth', der Erdung: wir lernten wie man einen Unterschlupf baut, wie man entschleunigt und wie man ein Feuer macht. Wir investierten in Technologien der Fürsorge, um diese gemeinsam mit anderen zu praktizieren: wir erlernten generative Somatik, Achtsamkeit, emotional CPR (Anm. wörtlich dt. emotionale Herzdruckmassage; Begriff für eine Praxis der Unterstützung von Betroffenen akuter, emotionaler Krisen) und Methoden, Einwilligung zu kommunizieren (consent). Wir initiierten Praktiken der Ekstase, schufen Rituale die uns weitertanzen ließen und benutzten Musik, um voneinander entfernte Körper tanzend miteinander zu verbinden, als sie kollektiv eine Reise antraten:

 »Wenn die Entwicklung des modernen Subjekts damit einhergeht, dass die geteilte, kollektive Freude zunehmend erstickt, wie wäre es dann, stattdessen das Vergnügen als zentrales und organisatorisches Prinzip in den Mittelpunkt zu rücken?« (Maria Scaroni, 22.06.20)

In den kommenden Monaten sind wir, verbunden in Arbeit und Austausch, zu finden im Heizhaus Berlin, Ponderosa (Stolzenhagen) sowie beim Festival ›Down to Earth‹ im Gropius Bau (Berlin).

* Etymologisch ist die Krise als ein entscheidender Wendepunkt im Verlauf einer Krankheit zu verstehen, ein Punkt, an dem Veränderung zwingend erfolgt, ob zum Guten oder zum Schlechten.
 

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