Guest Fellowships 2020

Künstler*innen waren und sind in der Corona-Krise oft existenziell betroffen und zugleich in ihrer Fähigkeit zur interdisziplinären, kritischen und freien Interpretation gesellschaftlicher Zusammenhänge besonders gefragt. In Reaktion auf die Covid-19 Pandemie mit ihren gesellschaftlichen Einschränkungen und aus der Erfahrung unserer Fellowships hat PACT Guest Fellowships ins Leben gerufen, mit denen 16 Künstler*innen in der Fortsetzung und Weiterentwicklung ihrer aktuellen Arbeit unterstützt werden. Die Förderung ist dabei nicht projektspezifisch oder auftragsgebunden angelegt, sondern zielt darauf ab, den ausgewählten Künstler*innen die grundsätzliche Fortführung ihrer Arbeit zu ermöglichen, Recherchen fortzusetzen und neue Netzwerke aufzubauen.

Die 16 Künstler*innen wurden durch einen interdisziplinären Beirat vorgeschlagen – unser Dank gilt: Fanti Baum & Olivia Ebert, Johanna-Yassira Kluhs, Christine Peters, Leonie Radine

Meet our Guest Fellows!

Princela Biyaa / Association of Black Art_ists
© Photo: Megha Kono-Patel

Princela Biyaa / Association of Black Art_ists

Princela Biyaa arbeitet derzeit im Bildungsreferat des Kompetenzzentrums Anti-Schwarzer Rassismus bei Each One Teach One e.V. Für ihre Arbeit als Kulturschaffende pendelt sie daher zwischen dem Ruhrgebiet und Berlin. Wichtige Schritte zur Unterstützung der Sichtbarkeit Schwarzer Perspektiven, dem Diskurs deutscher kolonialer Vergangenheit und postkolonialer Gegenwart im Ruhrgebiet waren für sie die Mitbegründung verschiedener Räume des Austauschs für BIPoC in Dortmund und Bochum. Derzeit ist sie als kuratorische Leitung des Curl Collectives tätig. Das Kollektiv will Künstler*innen und Kulturschaffenden of Color in Dortmund eine Plattform bieten um eigenständige Netzwerke zu bilden. Im Rahmen die Fellowships wird sie an der Mission und Vision des Vereins arbeiten und ihre künstlerische Forschung zu Themen der Selbstfürsorge und des Gemeinschaftswesens Schwarzer Gemeinschaften fortführen.

Marny Garcia Mommertz
© Photo: Lis Camelia / Fayo Said

Marny Garcia Mommertz / Association of Black Art_ists

Marny Garcia Mommertz ist Kuratorin und Kulturschaffende bzw. Produzentin. In ihrer Praxis unterstützt sie Schwarze Künstler*innen und Multiplikator*innen, Projekte zu realisieren, die einen Beitrag zur Selbststärkung von Schwarzen Gemeinschaften bilden. 2018 hat sie den Verein Afro Student Association mitbegründet, um mit internationalen Schwarzen Studierenden eine Plattform des Austausches zu bilden und sich für positive Repräsentation von und für Schwarze einzusetzen. Zusammen mit Princela Biyaa wird sie 2020/21 eine von Interkultur Ruhr und dem Internationalen Frauenfilmfestival geförderte Rechercheresidenz zu Fasia Jansen durchführen. Während des Fellowships arbeitet sie aktiv an den Strukturen der neugegründeten Association of Black Art_ists e.V. und wird verschiedene Projekte mitplanen.

Fayo Said / Association of Black Art_ists
© Photo: Lis Camelia / Marny Garcia Mommertz

Fayo Said / Association of Black Art_ists

Fayo Said ist Fotografin und Vorstandsmitglied der Association of Black Art_ists e.V. Sie setzt sich damit auseinander, wie positive gesellschaftliche Veränderungen durch kreative Methoden und Möglichkeiten initiiert werden können. In der Vergangenheit war sie im Verein Afro Student Association in Den Haag aktiv, eine Plattform, die Schwarze Gemeinschaften stärken möchte. Im Rahmen eines Forschungspraktikums an der Universität Leiden hat Fayo Irakw Erzählungen literarisch und linguistisch analysiert. Während des PACT Fellowships arbeitet Fayo an dem Projekt Project Oromo, bei dem es darum geht, Oromo Stimmen zu unterstreichen.

Association of Black Art_ists
© Association of Black Art_ists

Association of Black Art_ists

Marny Garcia Mommertz, Fayo Said und Princela Biyaa sind die Gründerinnen des Vereins Association of Black Art_ists e.V. Der Verein setzt sich für die internationale Sichtbarkeit Schwarzer Kunst- und Kunstschaffender und die Archivierung Schwarzer Kunst in Europa ein.

Uri Bülbül
© Photo: Das Hardenberg Projekt

Uri Bülbül

»Von der deutschen Systemphilosophie entzückt, versuchte er diese weltumspannende Systematik in seine Literatur zu übertragen. Trotz aller Offenheit seiner Dialektik, die er zu einer Rhizomatik weiterzuentwickeln suchte, wie er es in Anlehnung an die postmoderne französische Philosophie nannte, konnte er von der Idee einer allumfassenden monistischen Literaturphilosophie nicht ablassen. Er wollte über das Einzelne und Ganze konkret und abstrakt zugleich schreiben.« Uri Bülbül, geboren am 19.01.1963, ist Literat und Philosoph und arbeitet aktuell zum Schwerpunkt ›Kulturphilosophie – Die ästhetischen Grundlagen der Vielfalt und die Uniformität der Moderne‹. Zuletzt hielt er im Rahmen der KulturAkademie-Ruhr für Globalkultur.org den Vortrag ›Was ist frei an der freien Szene? Eine Provokation‹.

Lütfiye Güzel
© Photo: Ben Knabe

Lütfiye Güzel

Lütfiye Güzel ist Dichterin und in Duisburg geboren. 2017 erhielt sie den Literaturpreis Ruhr, 2020 erschien ihr Buch ›nahezu nichts gelingt‹. Im Rahmen ihres Fellowships möchte Güzel einen Poetry-Clip über Duisburg-Marxloh drehen und ein ergänzendes Chapbook mit Textmontagen realisieren. Der Stadtteil, in dem Güzel aufwuchs und der mit starken Stigmata versehen wird, inspirierte auch viele ihrer Gedichte: »Leider wird Marxloh häufig –von vielen Menschen und auch den Medien – als No-go-Area bezeichnet.« Güzels Poetry-Clip und das Chapbook sollen im Rahmen einer Filmvorführung und Ausstellung Ende 2020 bzw. Anfang 2021 im Ruhrgebiet präsentiert werden.

Tümay Kılınçel
© Photo: Cornelius Schaper

Tümay Kılınçel

Tümay Kılınçel arbeitet als Künstlerin mit Bewegung und Körper. Ihre Ausbildung sowie Weiterbildungen absolvierte sie in Berlin (HZT), Gießen (Justus-Liebig-Universität), Istanbul, Lagos, Rishikesh und Kairo. In ihrer künstlerischen Arbeit beschäftigt Kılınçel das Thema Angst. So analysiert die Künstlerin, wie Machtstrukturen sich auf den Körper und Bewegung auswirken, diesen ins Prekäre drängen und Angst auslösen. Seit 2010 setzt sie sich mit dem Stil des sogenannten ‚Bauchtanz‘ auseinander, der mit zahlreichen exotisierenden Zuschreibungen versehen ist, um Praktiken der Dekolonialisierung durch Kunst zu entwickeln. Dabei versteht sie in ihren Arbeiten Humor als Mittel, um auf positive Art Zugänge auch in schwierige Themen zu schaffen. Tümay Kılınçel war Stipendiatin bei danceWEB (2011), dem Studienwerk der Rosa-Luxemburg-Stiftung (2012-16) sowie bei Tanzpraxis (2020-2021). Sie war zu Festivals wie Impulstanz (Wien 2011), Favoriten (Dortmund, 2016-20), ZÜRICH TANZT –(2015), Tanzplattform (Rhein/Main, 2019) sowie zur Tanzplattform Deutschland (München, 2020) eingeladen.

Christine Sun Kim
© Photo: Lexi Sun

Christine Sun Kim

Christine Sun Kim arbeitet als Performerin mit Sound und realisiert Zeichnungen, um ihre Beziehung zur Sprache und ihrem akustischen Umfeld zu untersuchen. Kims Arbeiten wurden international gezeigt, u.a. in Ausstellungen und Performances bei De Appel (Amsterdam, solo); Serralves Museum (Porto), Walker Art Center (Minneapolis), Hamburger Bahnhof (Berlin), Whitney Museum of American Art (New York) und Museum of Modern Art und MoMA PS1 (New York). Als gehörlose Amerikanerin, die in Deutschland lebt, hat sie erlebt, wie die Gesetzgebung für Menschen mit Behinderungen in verschiedenen Ländern variiert – sie wird manchmal vollständig durchgesetzt, völlig ignoriert oder existiert schlicht nicht. Die Künstlerin bezeugte die Probleme, die die Gemeinschaft der Gehörlosen in Amerika erlebte – von Polizeibrutalität bis hin zum Sprachentzug. Mit Blick auf die sozialen Bewegungen plant sie, den patriotischen Aspekt ihrer Taubheit zu erforschen, die Parallelen zum Tribalismus, zur Stammesmentalität ebenso die Schäden, die sie verursacht. Hierzu soll eine neue Serie von Kohlezeichnungen oder ein Video-Essay entstehen.

Nicholas Grafia
© Photo: privat

Nicholas Grafia

Nicholas Grafia wurde 1990 in Angeles City (Philippinen) geboren. Der deutsche Künstler schloss sein Studium mit einem MFA an Kunstakademie Düsseldorf ab. Zuvor studierte er an der Kunstakademie Münster, der School of Arts and Cultures in Newcastle sowie ›British, American and Postcolonial Studies‹ an der Univeristät Münster. Er arbeitet in den Medien der Malerei, Video und Performance, häufig in Kooperation mit dem polnischen Künstler Mikołaj Sobczak. Seine Arbeiten waren zuletzt bei Capitain Petzel (Berlin, DE), Shoot the Lobster (New York, US), in der Kunsthal Aarhus (Aarhus, DK), dem Museum Ludwig (Cologne, DE), dem K21 Kunstsammlungen NRW in Düsseldorf (Düsseldorf, DE), Tramway (Glasgow, UK), dem Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen Düsseldorf (Düsseldorf, DE), Dortmunder Kunstverein (Dortmund, DE), Museum of Modern Art (Warsaw, PL) and BOZAR (Brussels, BE). Im Rahmen des Fellowships beschäftigt sich Grafia mit dem Prozess der sowie des Ein- und Ausschlusses einzelner Subjekte aus der Geschichtsschreibung: »Meine Rechercheergebnisse fließen ein in eine neue Serie von Liedtexten, Spoken-Word-Performances und Gemälden, die darauf abzielt, Individuen und Themen, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden, wieder einzugliedern.«

Lea Letzel
© Photo: Frederike Wetzels

Lea Letzel

In ihrer künstlerischen Arbeit konzentriert sich Lea Letzel auf die Entwicklung interdisziplinärer szenischer und performativer Formen an den Schnittstellen von Klang und Musik, der bildnerisch - medialen Kunst, des Tanzes und des Raumes. Dabei gilt ihr besonderes Interesse gilt dem Konzert als Aufführungsformat, Fragen des Zusammenhangs von Musik und bildender Kunst, innerhalb derer Notation und Score als künstlerische performative Handlungsanweisung gilt. Räumliche Besonderheiten, ihre Plastizität, Ästhetik und Akustik spielen ihrer Arbeit eine wesentliche Rolle. »Oftmals entzieht sich meine Arbeit den konventionellen Produktions- und Präsentationsräumen weitgehend und muss sich neue Orte erst erobern oder erschaffen und Arbeitsmethoden und Strategien erst ermitteln. Als ausgebildete Pyrotechnikerin habe ich mich im Juli zur Großfeuerwerkerin ausbilden lassen und möchte das Guest Fellowship dazu nutzen mich mit Aspekten der Ökologie und Nachhaltigkeit in der Feuerwerkerei auseinanderzusetzen. Außerdem arbeite ich an einer Publikation, die sich aus wissenschaftlicher und künstlerischer Perspektive mit der Beziehung von Klang und Feuerwerk beschäftigt.«

David Guy Kono
© Photo: Martina Gimplinger

David Guy Kono

David Guy Kono wurde in Douala (Kamerun) geboren. Nach dem Abschluss seiner Ausbildung zum Schauspieler, Tänzer und Marionettenspieler im Jahr 2005 wurde Kono 2009 als bester Schauspieler im Rahmen des Festivals Theâtralement Vôtre ausgezeichnet. Mit kainkollektiv aus Bochum arbeitete Kono an Stücken wie ›Fin de Mission‹, das den Spuren der europäischen Kolonialismus nachging. Kono entwickelte 2015 die Performance ›no title‹ im Rahmen des Programms ›The Incantation of the Disquieting Muse‹ bei SAVVY Contemporary in Berlin, die sich mit verschiedenen Perspektiven auf den Körper und die Unsichtbarmachung der Seele beschäftigte. 2017 konzipierte Kono im Rahmen des MusraraMix Festivals in Jerusalem die Performance „Lah Kâm“, die das Spannungsverhältnis zwischen einem Innen und einem Außen thematisierte. Im Rahmen des Theaterfestivals Favoriten in Dortmund entwickelte Kono in Kooperation mit Antoine Effroy die Performance ›Tchâ. Sol. Boden‹, in der er der historischen Parallelität von Reichtum und Ausbeutung nachging. 2018 wurde David Guy Kono mit dem Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen für junge Künstler*innen ausgezeichnet. Im Rahmen des Fellowships setzt sich Kono unter dem Titel ›WG Quarantäne‹ mit der Wahrnehmung der Welt während dem Lockdowns auseinander, der durchweg durch rechteckige Formen fiel: sei es durch das Fenster, den Screen des Laptop oder den eines Handys.

Lex Rütten
© Photo: Susanne Schmidt-Dominé

Lex Rütten

Lex Rütten arbeitet seit 2016 mit der Künstlerin Jana Kerima Stolzer zusammen. Die Verflechtung des Menschen mit seinem technologischen Umfeld und die damit verbundenen emotionalen Anforderungen sind Ausgangspunkte der Installationen und Performances des Duos. In dem neuen Projekt ›the way you look at me‹ (AT) geht es um Automatisierung und Lebendigkeit, sowie um An- und Abwesenheit und Einsamkeit in Zeiten digitaler Verbundenheit: »Zu einem Staubsaugerroboter kann ich dieselbe emotionale Verbindung aufbauen wie zu einem Stubentiger. Eine Drohne mit Kamera kann mich anschauen und verfolgen, und das auch automatisiert, sodass sie lebendig wirkt. Vollautomatisierung und Mensch- Maschine- Interaktion werden immer präsenter bis hin zu „human- excluded- zones“. Zu diesen Phänomenen möchte ich recherchieren, um der Möglichkeit einer automatisierten Performance nachzugehe. Dabei steht die emotionale Verbindung, die ich zu den einfachsten elektrischen Haushaltsgegenständen aufbauen kann als narrativ im Vordergrund.«

Paul Maheke
© Photo: Alfredo Esteban

Paul Maheke

Paul Maheke wurde in Brive-la-Gaillarde, Frankreich, geboren. Er lebt und arbeitet in London, Großbritannien. Mit einem Schwerpunkt auf tänzerischer Praxis und in einem vielfältigen, häufig kollaborativen Werk, das Performance, Installation, Sound und Video umfasst, betrachtet Maheke das Potenzial des Körpers als Archiv. Dabei untersucht er, wie verkörpertes Wissen und Identität geformt und konstituiert werden. Maheke studierte an der ENSA Paris-Cergy und der Open School East (London). Seine Installationen und Performances wurden u.a. im Museum Ludwig (Köln), der Tate Modern (London), auf der Biennale di Venezia, im Centre Pompidou (Paris), bei Lafayette Anticipations (Paris), der Baltic Triennial 13 (Tallinn), der Manifesta 12 (Palermo), der Performa 19 (New York) und in der Chisenhale Gallery (London) gezeigt.

Mikołaj Sobczak
© Photo: Mikołaj Sobczak, Courtesy of the artist

Mikołaj Sobczak

Mikołaj Sobczak studierte an der Akademie der Bildenden Künste Warschau, mit einem Stipendium an der Universität der Künste Berlin sowie an der Kunstakademie Münster. Er arbeitet in den Medien Video, Malerei und Keramik, oft in Verbindung mit Performance. Dabei kooperiert er häufig mit dem deutschen Künstler Nicholas Grafia. Sobczak zeigte seine Arbeiteten zuletzt im Rahmen von Ausstellungen im MoMA (Warschau), im Museum Ludwig (Köln), der Galerie Capitain Petzel (Berlin), dem Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen (Düsseldorf) sowie dem Dortmunder Kunstverein (Dortmund). »Im Rahmen des Guest Felloships möchte ich Prozesse des "Otherings" im Volksglauben, nach dem verschiedene Minderheiten als böse Kreaturen dargestellt und wahrgenommen wurden, analysieren. Dabei möchte ich mündlich überlieferte Erzählungen, die nie niedergeschrieben wurden, sammeln und auf dieser Grundlage eine neue Performance entwickeln.«

caner teker
© Photo: Spyros Rennt

caner teker

caner teker ist eine unterstützerin*, überlebende* und sexarbeiterin*, wurde 1994 in Duisburg geboren und lebt zwischen Amsterdam, Berlin und Düsseldorf. caner teker schloss 2019 als Meisterschüler*in an der Kunstakademie Düsseldorf ab, es folgte ein Post-Graduales Studium ab 2019 bei SNDO - School for New Dance Development (Amsterdam). caner teker beschäftigt sich mit den intersektionalen Verschränkungen von Identität, Arbeit, und Post-Migration im Kontext der persönlichen Erfahrung als Deutsch-Türk*in sowie der Lebensgeschichte der eigenen Familie. caner teker wird im Rahmen des Fellowships die Überschneidungen von türkischen Hochzeiten, Ritualen und eine Politik der Zugehörigkeit (affinity politics) transformativ untersuchen.

Nesrin Tanç
© Photo: Fatih Kurceren

Nesrin Tanç

Nesrin Tanç schloss ihr Studium der Turkistik und Germanistik an der Universität Duisburg-Essen als Magistra Artium ab. Anschließend war sie als freie Projektkoordinatorin von ›Baglama für alle!‹, Kuratorin und Initiatorin zahlreicher unterschiedlicher Kunst-, Kultur- und Vermittlungsprojekte (Agentur Ausländerrauş, electrOrient, Anatolpolitan, Numaqam Ikesus) tätig. 2016 erhielt sie ein Forschungsstipendium des Deutschen Literaturarchivs Marbach zu ›Global Archives‹, zwischen 2014-2017 wirkte sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Turkistik der Universität Duisburg – Essen. Ihre Dissertation unter dem Titel ›Die Ordnung der Vielfalt. Ruhrgebietsliteratur anhand der Werke von Fakir Baykurt, Kemal Yalcın, Rauf Ceylan und Emine Sevgi Özdamar.‹ nahm 2019 das Thema des kulturellen und literarischen Erbes der Immigrant*innen aus der Türkei im Ruhrgebiet in den Blick. 2019 folgte die Produktion der ersten Literaturkarte zu den Erzählungen des Autors Fakir Baykurt. Im Rahmen des Fellowships setzt Tanç ihre Forschung in Bezug auf die künstlerische, literarische Aufarbeitung von Themen wie Arbeit, Archivierung von Literatur- und Kulturgeschichte, Integration von kulturgeschichtlichem Wissen, Wissenstransfer - und vermittlung fort.

Khosrou Mahmoudi
© Photo: Peter Kapusta

Khosrou Mahmoudi

»Meine Anfänge als Schauspieler finden sich 1991 im Iran am Stadttheater Teheran. Im Iran arbeitete ich in vielen verschiedenen Bereichen von Theater bis Film.« Khosrou Mahmoudi kam 2008 auf Einladung von Roberto Ciulli, künstlerischer Leiter des Theaters an der Ruhr, als Schauspieler und Regieassistent nach Mülheim und war dort bis zum Ende der Spielzeit 2013 fest engagiert. Nach seiner Kündigung wirkte Mahmoudi ab September 2013 als freier Schauspieler, u.a. in mehreren Produktionen der Gruppe Vorschlag:hammer und der Gruppe KGI – Büro für nicht übertragbare Angelegenheiten. »In dem von mir vorgeschlagenen Projekt werde ich mich auf das Thema Müll/Müllproduktion konzentrieren, und die extrem negativen Effekte auf das Leben von Tieren und die Natur künstlerisch verhandeln. Es ist egal, in welchem Element sich ein Tier bewegt, wo es lebt, im Wald, im Wasser oder in der Luft. Die Effekte der Vermüllung durch Plastik sind totalitär. Trotz einer größeren Aufmerksamkeit durch die Politisierung von Fridays for Future wird die weitreichende Verseuchung durch den Stoff und die folgenden Konsequenzen nach wie vor bagatellisiert. Meine ästhetische Auseinandersetzung mit dem Thema, wird eine Tanzperformance sein. Das zentrale Material ist Plastik. Wir werden es sammeln und auf der Bühne verwenden. Je länger die Performance läuft, desto mehr gerät der Raum aus dem Gleichgewicht, desto mehr Plastik füllt sich an. Welche Qualitäten finden wir in dem Material, das uns alle überleben wird, was können wir damit tun, bevor es uns erstickt?«