Rückblick ›Shifting Grounds – IN COMMON‹
INSELN – Praktiken des Gemeinsamen
Der zweite Festivaltag

1 / 10 Orli Yomi – ›Sonnenwenden‹ © Dirk Rose
Format
Am zweiten Festivaltag von ›Shifting Grounds – IN COMMON‹ wurde die Halde und PACT Zollverein zum offenen Erkundungs- und Festivalraum, den die Besucher*innen im eigenen Rhythmus erkunden und dabei immer wieder an den über das Gelände verteilten Inseln verweilen konnten.
Zum Ankommen lud Clarisse Akouala zu einer Kaffeezeremonie ein, in der sie rohe Kaffeebohnen frisch röstete und daraus Kaffee zubereitete. Die Installation ›Recreational Successions‹ von Mascha Fehse bildete hierfür einen Raum für Begegnung, Austausch und Ruhe.
Auf der oberen Halde las die afrodiasporische Poetin und Spoken-Word-Künstlerin Orli Yomi Texte aus ihrem Debütgedichtband ›Sonnenwenden‹, die von Schmerz und Heilung, von Schwarzer Weiblichkeit, Zartheit und persönlichem Wachstum erzählen.
Mit dem Zymbal-Konzert von Nadzeya Karakulka entstand eine musikalische Insel im sommerlichen Grün der Halde. Bei ›local dancing‹ von Clara Reiner, René Alejandro Huari Mateus, Jacob Bussmann und Frédéric De Carlo wurde die Tanzfläche zum Ort für Instant-Tradition: Ausgehend von queerer Überlieferung entstanden eigens imaginierte Gruppentänze, die wie durch die Zeit gereist scheinen.
Und es gab weiter viel zu entdecken: In gemütlicher Runde stellte das Team von BRACHE am Kuppelkiosk die neueste Ausgabe ihrer Literaturzeitung vor und präsentierte ausgewählte Texte mit musikalischer Begleitung.
Danach konnten die Besucher*innen bei einem gemeinsamen Sound & Listening Walk mit den Klangkünstlern Michael Akstaller und Jan St. Werner die akustischen Reflexionen und Resonanzen der Halde erforschen und die Umgebung selbst durch akustische Impulse zum Klingen bringen.
Zusammen mit einem Chor aus FLINTA*-Personen aus Essen und Umgebung übertrug Deva Schubert in ihrer Performance ›Glitch Choir‹ den Moment der digitalen Störung, des Glitchs, auf den architektonischen Außenraum von PACT. Daraus resultierte eine berührende, zeitgenössische Neuinterpretation eines Klagelieds.
Im Foyer von PACT Zollverein lud Hood Cuisine gemeinsam mit Flintasy zu einem kostenfreien Creative Dinner ein. Inspiriert von der Geschichte Zollvereins und den Verbindungen zwischen Menschen, Orten und Ressourcen verwandelte sich das PACT-Foyer zu einer gemeinschaftlichen Insel des Genusses. Nachdem Eindrücke ausgetauscht und mehrere kunstvoll präsentierte Gänge gereicht wurden, hatten die Besucher*innen die Möglichkeit, sich die Abendvorstellung von ›Magec / the Desert‹ auf der PACT-Bühne anzuschauen. In der Tanzperformance erkundete Radouan Mriziga die weiten, trockenen Landschaften der Wüste als Geografien der Weisheit.
Der Tag endete mit einer Performance des Sound Practice Research Kollektivs auf der Halde, die die Klänge der ›SKIA‹ Installation, die schon tagsüber zu hören waren, durch eine performative Intervention erweiterten.